Ludwig-Marum-Gymnasium Pfinztal, Klasse 9b | Foto: Ludwig-Marum-Gymnasium Pfinztal

Ludwig-Marum-Gymnasium Pfinztal-Berghausen

„Bratwürschte“ bis zum Abwinken

Leonie, Julia, Hanna | Klasse 9b
Ludwig-Marum-Gymnasium Pfinztal-Berghausen

Sei gegrüßt alter Freund! Als ich gestern die alten Banner der ersten gemeinsamen Pegida-Demonstrationen wiederfand, musste ich an Dich und unser Kennenlernen beim AfD-Stammtisch denken. Seitdem wir uns das letzte Mal trafen, hat sich viel verändert. Und genau dies, also dass wir unser Ziel erreicht haben, dass wir wieder die Herren im Abendland sind, kann ich täglich erleben.

Jeden Morgen stehe ich auf und schmiere mir erst einmal eine Brezel mit Leberwurst. So etwas wie English-Breakfast brauche ich nicht, diesen ganzen ausländischen Schmarrn habe ich schon längst von meinem Speiseplan verbannt. Dazu als Lesestoff unser schönes Landesblättle, denn dem kann man noch glauben, im Gegensatz zu den Medien, diese alte manipulierte Lügenpresse. Jetzt werde ich gleich mein trautes Heim auf Vordermann bringen. Ich mache das selbst, denn eine ausländische Putzfrau kommt mir nicht über die Gartenmauer. Das ist zwar mühsam – aber nun ja, mein Bizeps ist ansehnlich gewachsen. Ich sage ja – nur Vorteile. Apropos Fitness: Zur Arbeit laufe ich jetzt auch. Der Busfahrer war schließlich Moslem, in seinen Bus traute ich mich mit keinem Fuß mehr hinein.

Tja, jetzt sind die Arbeitsplätze wieder frei und unsere Weihnachtsmärkte sicher. Neu besetzt wurden die freien Stellen nicht, denn wer will schon für 8,50 Euro die Stunde und ohne Sozialversicherung für Andere putzen oder Busse fahren. Klar, laufen ist nicht so angenehm, aber damit muss man eben leben. Wenigstens haben wir Bratwürschte bis zum Abwinken. Natürlich aus Schweinefleisch, denn auf wen müssen wir überhaupt noch Rücksicht nehmen. Zurück zu meinem Tagesablauf: Ich bin Lehrer von Beruf. Ehemals hieß meine Schule „Europäische Schule“, doch die EU ist so was von Schnee von gestern und Fremdsprachen sowieso, die werden nicht mehr unterrichtet. Wer braucht schon Internationalität – oder Integration. Ich möchte natürlich für immer im guten, alten Deutschland bleiben. Da muss ich mich ja nicht mit Fremden verständigen. Hmm: Wenn ich ehrlich bin, täten mir ein paar Wochen kalifornische Sonne auch mal wieder gut. Naja, ich bleibe innerhalb unserer und außerhalb der amerikanischen Mauer. Der Nordsee werde ich schon auch noch was abgewinnen können.

Alles in allem bin ich zufrieden. Oder? Bin ich das wirklich?