Viola Reichel
Schweren Herzens nimmt Viola Reichel, Schülersprecherin und Chefredakteurin der Schülerzeitung „Ernschtl“, Abschied von der Ernst-Reuter-Schule. | Foto: Axel Goerke

Ernst-Reuter-Schule

“Die Haltung und Werte der ERS sitzen tief in uns”

Die Schulzeit, intensiv, herausfordernd und total einprägsam. Jeder einzelne erlebt in dieser Zeit seine Höhen und Tiefen, bis es irgendwann heißt, Abschied zu nehmen. Für mich ist es in ein paar Wochen so weit, mich von der ERS verabschieden zu müssen.

Sechs Jahre lang bin ich jeden Tag hier in der Waldstadt zur Schule gegangen, durfte mit diesem Ort meine Fortschritte und Erfahrungen teilen und kann mich wirklich glücklich schätzen, ein Teil dieser Gemeinschaft gewesen zu sein. Ich werde es vermissen, Tag für Tag mit einem Lächeln die Treppen zum Schulgebäude runterzulaufen, eine Durchsage von Herrn Pallesche oder Herrn König während des Unterrichts zu hören, im Wunderland an neuen Ideen zu spinnen oder nach dem Unterricht noch an der Schülerzeitung zu arbeiten. All das und vieles mehr macht die ERS zu einem einzigartigen Ort voller einzigartiger Erinnerungen.

Unsere Schule ist vor allem durch all die Menschen, die ihn jeden Tag mit neuer Lebensenergie erfüllen, etwas ganz Besonderes. Was wäre die ERS nur ohne die Schüler, Eltern, Lehrer und auch andere mitwirkende Personen, die nicht vergessen werden dürfen? Die ERS ist unser gemeinsames Projekt, zusammen hören wir nie auf, nach neuen Ideen zu suchen, wie Lernen und Leben an diesem Ort schöner und effektiver gestaltet werden kann. Der ERS war es schon immer besonders wichtig, ihre Schüler auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Also lernten wir uns eigenständig in der Stadt fortzubewegen, übernahmen im jungen Alter Verantwortung für andere, gestalteten das Wunderland mit und beteiligten uns an unzähligen Projekten. Man schenkte uns stets Vertrauen, denn auch Scheitern war erlaubt.

Die Haltung und Werte der ERS sitzen tief in uns. Mit Sicherheit werden wir auch außerhalb unserer ERS-Zone eine Spur in der Welt hinterlassen, ganz nach dem Motto des Projektfachs L.E.B.E.N. Wenn man sechs Jahre lang mit Aktionen und Projekten wie denen im Fach L.E.B.E.N aufwächst, kann man gar nicht mehr anders. Für die meisten von uns war es selbstverständlich neben dem normalen Unterricht außerhalb der Schule soziales Engagement zu leisten. Das Gefühl von Selbstwirksamkeit, welches wir über die Jahre hinweg immer wieder zu spüren bekommen haben, hat uns Mut gegeben, weiter zu machen.

Eine Zeit lang wurden Schulformen wie unsere für ihr Konzept kritisiert, doch Krisen erschütterten uns weit weniger als viele andere Schulen. Wir sahen das Positive darin und wurden nur noch stärker und besser. Auch in der wohl größten Krise, der aktuellen Pandemie, fanden wir schnell einen Ausweg. Hierbei war es sicherlich von Vorteil, dass wir schon vorher eigenständig, auch in Kombination mit digitalen Plattformen arbeiteten. Schneller als woanders trafen wir uns in Videokonferenzen und hatten so zumindest einen virtuellen Austausch miteinander. Besonders aufbauend waren in dieser Zeit die Donnerstag-Videos unserer Schulleitung. Woche für Woche machten sie sich die Mühe eine Videobotschaft an uns Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern zu richten. Die tollen Videos machten die Zeit im Homeschooling um einiges erträglicher, gleichzeitig zeigte sich, was es bedeutet eine echte Schulgemeinschaft zu sein, denn getreu dem Schulmotto „Besser gemeinsam, gemeinsam besser“ beteiligten sich ganz viele Leute mit Beiträgen.

Die ERS schafft es jedes Mal aufs Neue, den Moment zu nutzen und etwas ganz Großes draus zu machen. Unsere Schule setzt sich dafür ein, dass all diese Visionen und Vorstellungen einer Schule der Zukunft stückweise in Taten umgesetzt werden. So gibt es bei uns bereits die Möglichkeit, in einer Lerninsel in der Stadt zu lernen. Leider gibt es noch viel zu viele Schulen, bei denen es bei „nur leeren Worten“ bleibt. Auf die Frage, was unsere Schule so besonders macht, gebe es viele weitere Antworten, denn bei uns sind es gerade auch die kleinen Dinge, auf die es ankommt.

Ich hatte an der ERS jedenfalls eine sehr schöne Schulzeit, die ich wo anders so nicht hätte erleben können. Wir haben uns mit der ERS und sie sich mit uns weiterentwickelt. Schon bald werden sich unsere Wege trennen, doch bis dahin werden wir die Chance nochmal nutzen, um unsere Spur an der ERS zu hinterlassen.

Viola Reichel | Lerngruppe 10
Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe

Schülersprecherin und Ernschtle-Chefredakteurin

Mehr Texte von Viola auf dem Blog www.ernschtle.de (2020 und 2021 bester Schülerzeitungsblog in Deutschland)