Ehrenamtliches Engagement: Erwin Karcher ist seit 2014 Vorsitzender des Handballvereins SG Kappelwindeck/Steinbach. | Foto: Michael Bode

Hoher Zeitaufwand für ehrenamtliches Engagement

Viele Kinder und Jugendliche sind Mitglied eines Vereins, doch nur wenige wissen, was alles im Hintergrund für Arbeit geleistet werden muss, damit alles funktioniert. Dieser Frage ist Luisa Höll in ihrem ZiSch-Beitrag nachgegangen und hat Erwin Karcher, den ersten Vorsitzenden des Handballvereins, indem sie selbst seit mehreren Jahren aktiv ist, interviewt.

Seit wann sind Sie bei der SG Kappelwindeck/Steinbach als „aktiver Sportler“ und seit wann in der Funktion als Vorsitzender tätig?

Karcher: Anfang der 90er-Jahre trat ich in die neu gebildete Freizeitgruppe
ein, die immer freitags trainiert. Beim Stammverein SR Yburg habe
ich jedoch als Schüler mit dem Handballspielen angefangen.
Im Mai 2014 wurde ich zum Ersten Vorsitzenden gewählt.

Haben Sie selbst auch Handball gespielt? Wenn ja, wie
lange, und in welchem Verein? Was waren Ihre größten
sportlichen Erfolge?

Karcher: Ja, mit 12 oder 13 begann ich beim SR Yburg mit dem Handballspielen. Zur damaligen Zeit gab es noch den Feldhandball. Hier hatte ich als A-Jugendlicher auch den größten Erfolg mit dem
Gewinn der Bezirksmeisterschaft. Meine „Handballkarriere“
dauerte aber nur bis zum 18. Lebensjahr, danach verließ ich
den SR Yburg und widmete mich den Kampfsportarten.

Wie kamen Sie auf die Idee, Vorstand zu werden?

Karcher: Auf die Idee kam ich gar nicht. Im Jahre 2014 begab ich mich in den vorgezogenen Ruhestand und da hat mich der damalige Vorstand Peter Hochstuhl angesprochen, ob ich nicht Interesse hätte, sein Nachfolger zu werden. Als stellvertretender Abteilungsleiter des Freizeitsportbereichs war ich zwar vorher schon im Vorstand aktiv, hatte aber nie daran gedacht, den Vorsitz zu übernehmen. Schlussendlich habe ich aber dann doch zugestimmt.

Was sind hier ihre Aufgaben?

Karcher: Die Aufgaben sind sehr vielfältig und auch zeitintensiv. Ein wesentlicher Aufgabenbereich ist die Teilnahme an Sitzungen. Überhaupt bestehen intensive Kontakte zur Ortsverwaltung und der Stadt Baden-Baden. Weiterhin bin ich Ansprechpartner für die Abteilungsleiter unserer Abteilungen. Verantwortlich bin ich auch für unsere zwei FSJ Stellen. Hier gilt es Kontakte mit den Schulen zu knüpfen und aufrecht zu erhalten. Seit Jahren haben wir Kooperationen mit Schulen und Kindergärten. Diese Kooperationen müssen jedes Jahr fristgerecht neu beantragt und mit einem abschließenden Bericht bestätigt werden. Wichtig ist auch, dass man als Vorstand die Angebote von verschiedenen Gremien und Institutionen zur Teilnahme an Wettbewerben und Fördermaßnahmen wahrnimmt, mit denen wir notwendiges Geld für unseren Verein einnehmen können. Ferner gehört zur Arbeit eines Vorstandes auch das Schreiben von Artikeln und Berichten im Mitteilungsblatt. Und schlussendlich gibt es jeden Tag Informationen, Anregungen, Hinweise, Fragen, die beantwortet werden müssen.

Wie „arbeiten“ Sie während Corona als Vorstand?

Karcher: Zum einen gibt es den 1:1-Austausch im persönlichen Gespräch. Entweder Face to Face unter Berücksichtigung der Corona-Vorschriften oder per Telefon. Sitzungen halten wir online ab. Generell aber ist die Arbeit mit dem PC unverzichtbar.

Werden Sie als Vorstand bezahlt?

Karcher: Nein. Der Vorstandsposten ist eine ehrenamtliche Tätigkeit. Das Einzige was wir als Vorstandsmitglieder in Anspruch nehmen können, ist die sogenannte. Ehrenamtspauschale, die wir beim Finanzamt als Spende geltend machen können. Bei sehr großen Vereinen gibt es den Trend, dass Vorstände hauptamtlich eingestellt werden, dies dann mit Bezahlung.

Wie viel Zeitaufwand beansprucht Ihre Arbeit?

Karcher: Das ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Aber wenn ich bei einer Sieben-Tage-Woche einen durchschnittlichen Zeitaufwand nennen muss, dann sind es mindestens zwei bis drei Stunden täglich.

Was ist Ihr „eigentlicher“ Beruf?

Karcher: Ich habe Maschinenbau studiert und dann als Entwicklungsingenieur in einem großen deutschen Automobilunternehmen gearbeitet. Seit 2014 übe ich die „Tätigkeit“ eines Rentners aus.

Danke für das Interview!

Abschließend kann man sagen, dass ehrenamtliche Aufgaben sehr umfangreich und zeitaufwendig sind, jedoch könnte ohne diese Arbeit kein Verein funktionieren. Leute zu finden, die sich trotz fehlender Bezahlung dieser Aufgabe stellen, wird daher immer schwieriger.

Luisa Höll | Klasse 9b
Markgraf-Ludwig-Gymnasium Baden-Baden