Garde wird als Gruppe getanzt | Foto: privat

Markgraf-Ludwig-Gymnasium

Das unterschätzte Hobby – Garde tanzen

Eigentlich ist mein Hobby gar nicht so unbekannt, nichtsdestotrotz wissen viele gar nicht was ich damit meine, wenn ich sage ich tanze „Garde“.

Einige wissen nicht, dass es sozusagen zwei Definitionen des Sports ,,Garde“ gibt, denn die meisten verbinden es mit Karneval, sodass man einen Tanz auf einer Prunksitzung oder Faschingsveranstaltung zu sehen bekommt und das war es dann.

Doch meine Definition von Garde ist sehr viel mehr, was ich endlich der Welt erzählen möchte!

Gardetanz ist sehr anspruchsvoll

Ich fing im Alter von sechs Jahren an zu tanzen und hatte schon als kleines Mädchen eine eifrige Leidenschaft für diesen Tanzsport entwickelt.

Gardetanz ist ein sehr anspruchsvoller Tanzsport, weil man nicht nur sehr gelenkig sein muss, sondern viel Ausdauer und ganz wichtig Willenskraft und Leidenschaft benötigt. Man tanzt nämlich nicht nur einen Tanz, sondern beim Turniersport zwei. Der eine Tanz ist der Gardetanz und der andere der Schautanz.

Der Unterschied zwischen den beiden Tänzen ist recht einfach. Beim Gardetanz tanzt man nach Perfektion und strengen Vorgaben, denn die Richter sehen jede Fehlhaltung. Jede/r Tänzer/in tanzt vom Prinzip her genau identisch, also in einer Formation, was eben auch den Gardetanz ausmacht. Man trägt dieselben Perücken mit zwei geflochtenen Zöpfen und Pony, identisches Make-up, und auch die Uniform und die Gardestiefel sind gleich. Im Gardetanz hat man eine sehr temporeiche, klassische Marschmusik, die meistens bis zu drei, vier Minuten gehen kann. Vom Spagat, Radschlagen, bis hohen Beinwürfen wird alles getanzt.

Es gibt unterschiedliche Formen des Gardetanzes

Der Schautanz hingegen besteht eher aus Kreativität und Schauspiel, denn jeder Verein studiert jedes Jahr ein neues Thema ein. Zum Beispiel hatten wir mal das Thema ,,Der Glöckner von Notre-Dame“. Die verschiedenen Rollen werden dann von den Trainern eingeteilt und jeder bekommt dann mehr oder weniger seine eigene Rolle. Dieser Tanz macht vor allem Spaß, weil man zu aufregender Musik tanzt und schauspielert. Man trägt prachtvolle Kostüme und ein aufwändiges Make-up und kann auf der Bühne seiner Tanzseele einfach freien Lauf lassen.

Aber schauen wir mal hinter die Kulissen des Ganzen, denn darin steckt das Detail. Es gibt jedes Jahr eine Saison. Man hat zweimal zwei Stunden in der Woche offizielles Training, manchmal auch am Wochenende Sondertraining, welches auch mal mehrere Stunden gehen kann oder sogar ein komplettes Wochenende in Form eines Trainingslagers. Dort wärmt man sich auf, trainiert für die Tänze und macht Kraft-/Ausdauertraining.

Vorbereitung für die Wettkämpfe ist wichtig

Das wichtigste ist, man tanzt auf Turnieren/Wettkämpfen, das heißt man muss sich perfekt vorbereiten. Die Turniere sind in ganz Deutschland verteilt. Von der Baden-Pfalz-Meisterschaft bis zur Europameisterschaft sind alle Meisterschaften dabei.

Am Tag der Kompetenz kommt jeder Verein in eine Umkleide und bereitet sich mit Aufwärmen und den Kostümen vor. Die Reihenfolge, welcher Verein wann startet, wird ausgelost. Wenn die Performance dann startet und man als Gruppe vor den strengen Augen der Richter steht, gehen einem 1.000 Sachen durch den Kopf und die Aufregung steigt ins Unermessliche. Angst vorm Versagen, das Team zu blamieren, jeder Tänzer hat seinen Platz und somit seine volle Verantwortung. Am Ende ist man jedes Mal überrascht was hartes Training im Vorfeld gebracht hat. Man tanzt als hätte man nie etwas anderes gemacht. Man springt durch die Luft, leicht wie eine Feder, man bekommt das gewollte Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, auch wenn es hier und da mal schmerzt. Das ist Leidenschaft!

Es gibt eine enge Bindung im Team

Nach der Absolvierung der Tänze wird der Auftritt streng bewertet. Die Richter sitzen direkt vor der Bühne und bewerten von null bis hundert. Die höchste Wertung wird immer gestrichen und der Rest addiert. Je nach Bewertung wird man qualifiziert für die nächsten Meisterschaften und bekommt am Ende des Tages sogar einen schönen Pokal und eine prunkvolle Siegerehrung. Und egal wie die Wertung ausfällt, man wird von den Trainerinnen immer in die Arme genommen, sie sind stolz, egal ob ein Patzer passiert ist. Die enge Bindung zum Team macht Erfolg aus und in einem guten Verein, hält man zusammen, auch wenn es mal nicht gut läuft. 

Die Nachbereitungen sind auch intensiv. Als Tänzer hat man im Hintergrund ein super Team, das näht, schminkt, anzieht, Perücken feststeckt, Verletzungen versorgt, motiviert und natürlich auch tröstet. Als Tänzer hat man aufgrund des harten Trainings einen hohen Anspruch an sich selbst und möchte am Ende das beste Team sein.

Teamgeist ist das A und O

Alles in allem ist dieses Hobby sehr intensiv und persönlichkeitsstärkend, welches ich Mädchen und Jungen (ja es gibt auch Jungs, wenn auch sehr übersichtlich) empfehlen kann. Man braucht auf jeden Fall einen starken Teamgeist, muss mit Muskelkater leben, einem strengen Umgang Stand halten und muss auch Niederlagen wegstecken können. Ich kann für mich sagen, dass es mich gerade als Einzelkind sehr gefördert hat, im Team zu arbeiten, soziales Verhalten zu festigen und an Erfolg und Niederlagen zu wachsen. So wie das wahre Leben einfach ist!

Aliyah Keller | Klasse 9c
Markgraf-Ludwig-Gymnasium Baden-Baden