Jeden Freitag laufen die Schüler 15 Kilometer zur Schule | Foto: bilderbox.com

Humboldt-Gymnasium

Laufen für die Zukunft

Jeden Freitagmorgen zwischen Mai und November klingelt um 4.00 Uhr bei Cedric H. aus Linkenheim der Wecker. Es ist Zeit für den „Walk for Future“. Gegen 4.30 Uhr macht sich Cedric zu Fuß auf den Weg zum Humboldt-Gymnasium Karlsruhe, dort beginnt um 8.00 Uhr der Unterricht. Auf dem Weg stoßen einige Kassenkameraden dazu, und gemeinsam wird in die Schule gelaufen. Mit dieser Aktion wollen die Jugendlichen ein Zeichen setzen, dass es möglich ist, eine solch weite Strecke auch ohne Auto zu bewältigen.

Cedric Heinrich erklärt in einem Interview alles rund um „Walk for Future“.

Seit wann gibt es den WFF?

Cedric Heinrich: Ich kann es nicht mehr genau sagen, aber im Mai/Juni 2019 haben wir ungefähr mit dem Laufen angefangen.

Warum habt ihr WFF ins Leben gerufen?

Cedric: Die ursprüngliche Idee kam von einem guten Freund von mir. Anfangs fanden wir die Idee von Linkenheim zur Schule zu laufen noch ziemlich idiotisch. Die Inspiration für diese Idee kam von einem anderen Schüler, der zur Schule gelaufen ist, weil er sich keine Scoolcard kaufen wollte. Aber dann habe ich gesagt: „Komm, lass uns das doch einfach mal machen!“ Das war dann eigentlich ganz cool. Wir haben dann noch andere Leute eingeladen mitzulaufen.

Was war die Motivation?

Cedric: Zu zeigen, dass praktisch kein Schulweg zu lang ist, um ihn zu laufen […]. Dass man das Auto zu Hause stehen lassen kann, egal wo man wohnt und wie weit der Schulweg ist.

Wie viele Läufer seid ihr momentan?

Cedric: Momentan sind es ungefähr vier bis sechs Läufer, je nachdem wer mitläuft. Wir haben natürlich die Hoffnung, dass es mehr Leute werden.

Wie wurden die Läufer zum Mitmachen motiviert?

Cedric: Wir haben einfach gefragt, ob sie mitmachen wollen, und sie haben gesagt: „Ja, Mann! Das hört sich cool und crazy an, wir sind dabei!“

Wie weit ist Dein Weg zur Schule?

Cedric: Von mir Zuhause in Linkenheim sind es ungefähr 15 km. Ich laufe ungefähr drei Stunden lang.

Denkst Du, dass in der Zukunft mehr WFF-Teilnehmer dazu kommen werden?

Cedric: Ich denke und ich hoffe, dass wir in Zukunft mehr werden. Einfach weil es ein sehr gutes Projekt ist, und wir jetzt auch älter sind, und daher die Eltern ihren Kindern jetzt vermutlich mehr zutrauen. Viele Eltern hatten Bedenken ihre Kinder so früh morgens im Dunkeln diese Strecke laufen zu lassen.

Welche Auswirkungen hat Covid-19 auf WFF?

Cedric: Das ist sehr blöd, weil wir ja nicht in die Schule dürfen, haben wir natürlich auch keinen Grund zur Schule zu laufen. Dazu kam, dass wir eine Winterpause gemacht haben, da es schon sehr kalt wurde. Wir haben so Anfang November den letzten Lauf gemacht, und haben dann gesagt, wir machen Winterpause bis es wieder wärmer wird. Es war wirklich sehr kalt, wir haben uns mit Tee versorgt und uns richtig warm eingepackt, und uns doch nochmal auf den Weg gemacht. Haben dann aber gesagt, dass es das letzte Mal für dieses Jahr sein wird. Eigentlich wollten wir in diesem Frühjahr wieder starten, aber Corona kam dazwischen. Jetzt lauf ich vom Bett zum Schreibtisch und zurück.

Was ist Dein Wunsch für die Zukunft von WFF?

Cedric: Ich wünsche mir einfach, dass wir in Zukunft weitermachen können. Wieder so wie wir damals begonnen hatten. Momentan sind auch die Läufer, in zwei verschiedenen Klassen, wegen der Klassenteilung zum Schuljahresanfang. Daher ist es auch blöd und kompliziert wegen der unterschiedlichen Stundenpläne. Vielleicht schreibt man freitags in der ersten und zweiten Stunde eine wichtige Klassenarbeit und kann deshalb nicht mitlaufen. Ich wünsche mir einfach für die Zukunft von „Walk for Future“, dass wir einfach weiter machen und vielleicht noch einige Leute dazu kommen, denn je mehr wir sind, desto lustiger ist es. Aber es darf auch nicht zu viel werden, da man sich sonst nicht mehr so gut über private Themen unterhalten kann. Wir haben auch immer eine Musikbox dabei, die wir außerhalb der Ortschaften benutzen, damit es nicht so einsam ist.

Jana Gross| Klasse 10a
Humboldt-Gymnasium