Stadträtin Karin Fierhauser-Merkel | Foto: Gymnasium Hohenbaden

Gymnasium Hohenbaden

Klimaneutralität 2050

Der Klimawandel ist eines der größten Probleme der Welt, aber wie weit ist man in Baden-Baden? Derzeit ist viel in Bewegung: Wasserkraft und Photovoltaik werden von den Stadtwerken betrieben, die Windkraftnutzung wird geprüft, das Biomassekonzept, bei welchem man Strom aus Biomüll und Reststoffen gewinnt, wird eingesetzt und vieles mehr. Doch reicht das aus, um die Stadt Baden-Baden klimaneutral und fit zu halten?

Aus diesem Grund hat sich der Schüler des Gymnasiums Hohenbaden, Ben Hironimus, mit Karin Fierhauser-Merkel, Mitglied der SPD-Fraktion im Gemeinderat, zusammengesetzt, um sich mit ihr über Baden-Badens Zukunftsperspektiven zu unterhalten.

Wie ist die Stimmung im Gemeinderat hinsichtlich des Klimawandels?

Fierhauser-Merkel: Es kommen immer wieder Anfragen, um Dinge zu erledigen, die irgendetwas verbessern sollen. Man kann nicht sagen: Die Stimmung ist positiv, der Klimawandel wird erkannt und es wird überlegt, was man hier machen könnte, um die Dinge zu verbessern.

Kann man die Meinungen der Parteien in Spektren einteilen?

Es ist schwierig, das einzuteilen. Ein großes Thema, das mit dem Klimawandel zu tun hat, ist die Windkraft. Da gibt es verschiedene Ansichten, besonders zur Entfernung der Räder zu Wohngebieten. Das Thema Klimaschutz ist ein sehr weites Gebiet, da gibt es ganz viele verschiedene Themen, wo man ansetzen müsste. Man kann nicht sagen, die eine Partei setzt sich ein, die andere nicht.

Was hat Baden-Baden bisher erreicht und sind Sie damit zufrieden?

Co2-Ausstoß-Reduzierung haben wir leider nicht erreicht, die waren vielleicht insgesamt zu hoch angesetzt, es gibt Bereiche wie Hybrid-Busse, Elektro-Busse, aber man kann einfach nie zufrieden sein. Also nicht nur in Baden-Baden, sondern überall ist noch Luft nach oben. Das Ziel „Klimaneutrale Stadt“ zu werden, da ist noch ganz schön viel zu tun. Man kann nicht alles so verschieben, im Sinne „Du Stadt, du Land, mach mal!“, sondern man muss bei sich selbst anfangen.

Wären Sie für das Ausrufen eines Klimanotstandes?

Ich sehe es nicht so, dass man unbedingt den Klimanotstand ausrufen muss. Es ist wichtig, das Thema ins Bewusstsein zu rücken, aber gleich den Klimanotstand auszurufen, muss nicht unbedingt sein.

Was sind die Ziele von Ihnen und Ihrer Partei?

Wir versuchen einzelne Bereiche, aus dem Klimabereich rauszuholen, zum Beispiel. was natürlich auch andere Themenfelder betrifft. Beispielsweise die öffentlichen Verkehrsmittel mehr ins Blickfeld zu rücken, welche das Problem der verstopften Straßen der Stadt auflösen könnte. Es ist generell eine Klimafrage, da jeder, der im Bus sitzt, keine zusätzlichen Emissionen erzeugt. Auch dass die Warenanlieferung in der Innenstadt nur noch über Elektrofahrzeuge stattfinden könnte, wurde angedacht, womit wir spezifisch in Baden-Baden anfangen können.

Wären Sie hinsichtlich dessen dafür, Straßenabschnitte zu sperren und sie nur noch Fußgängern und Fahrradfahrern bzw. öffentlichen Verkehrsmitteln zugänglich zu machen?

Das sind Gedanken, die bestimmt etwas bringen. Das muss aber alles wirklich gut durchdacht sein. Damit man nicht durch irgendwelche Sperrungen Parkdruck erzeugt oder irgendwo anders den massiven Verkehr hat. Unter Berücksichtigung dessen wäre es eine überlegungswerte Idee.

Wie wollen Sie die öffentlichen Verkehrsbetriebe attraktiver machen?

Indem man sie grundsätzlich günstiger macht. Baden-Baden-Stadt ist gut versorgt, durch Buslinien usw. In Baden-Baden-Sandweier fährt ab 20:00 Uhr aber nicht mehr viel. Man sollte dort die Taktung der Busse auf die Bedürfnisse der Menschen abstimmen. Das ist aber auch schwierig, da man von den Verkehrsbetrieben abhängig ist. Ich könnte mir vorstellen, dass durch eine günstigere Preisgestaltung die öffentlichen Verkehrsmittel interessanter werden. 

Was ist für Sie das aktuell wichtigste Projekt in Baden-Baden?

Die Einbindung der Bürger in die Klimafrage, unter anderem durch den Klimagipfel. Hierbei konnten sich die Bürger am Klimadialog beteiligen und ihre Ideen einbringen. Wichtig ist, dass sich die Politik mit den Ideen und Problemstellungen befasst und das Ganze aktiv angeht.

In verschiedenen Sektoren haben sich die CO2-Emissionen trotz des Baden-Badener 37-Plans weiterhin erhöht. Was wollen und können Sie dagegen tun?

Der Gemeinderat kann hier relativ wenig tun. Jeder Einzelne muss seinen Beitrag leisten, um die CO2-Bilanz zu verbessern. Verbote sind nicht zielführend. Der Beitrag des Einzelnen durch die freiwillige Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und den Verzicht auf das Auto ist hier maßgebend. Im Bereich der Wohnbebauung kann durch Vorschriften und Auflagen auf die Emissionen eingewirkt werden, zum Beispiel durch Auflagen für einzuhaltende Richtwerte und Vorgabe der Heizmittel. Durch Anreize zum Stromeinsparen und attraktive Angebote für Photovoltaikanlagen und Vergabe und Bewerbung von Fördermitteln. Außerdem ist noch der Erhalt von Grünflächen, wie zum Beispiel der Segelflugplatz nötig, auch der Industriebau muss irgendwann einmal ein Ende haben.

Was denken Sie wären die Folgen des Klimawandels in Baden-Baden?

Für unsere Region ungewöhnlich heiße Sommer, die Jahreszeiten sind nicht mehr voneinander abgrenzbar. Dies hat negative Folgen auf Flora und Fauna. Zum Beispiel wurden ganze Bienenvölker auf Grund der klimatischen Bedingungen in kühlere Regionen umgesiedelt. Weitere Folgen sind die Luftverschmutzung durch den Verkehr, verschmutzungsintensive Industrie ist in Baden-Baden weniger vorhanden. Vermehrte Unwetter, die den großen Baumbestand Baden-Badens gefährden können.

Reichen die derzeitigen Bemühungen der Stadt, um das erklärte Ziel, die Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, aus?

Das bezweifele ich, da wir am letzten Projekt gesehen haben, dass es nicht gereicht hat. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht versucht werden soll, sondern alle Energie muss in die Umsetzung der Ziele gesteckt werden, um das Ergebnis im Zweifel erst 2055 zu erreichen. Wichtig ist, alle Bürger dazu zu animieren, Dinge, an die man sich gewöhnt hat, umzustellen, und somit seinen Beitrag zur Zielerlangung zu leisten. Auf den gewohnten Urlaub zu verzichten, ist eine Gewohnheit, bei der es schwerfällt zu verzichten, aber ich glaube, dass Klimaschutz ohne Verzicht nicht möglich ist!

Danke für das Interview.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Stadt viele Maßnahmen und Pläne hat, wie die vermehrte Einsetzung von Elektro- und Hybridbussen, die Erhaltung von Grünflächen und das Beenden des Ausbaus von Industrien. Trotzdem wird es schwierig werden, die Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, da der Gemeinderat, wenn man auf die Verbote verzichtet, ohne die Bereitschaft der Bürger, selbst etwas zu ändern, nicht viel tun kann.

Maria Rovno, Ben Hironimus| Klasse 9
Gymnasium Hohenbaden