Nach dem Klettern wird man mit einer tollen Aussicht belohnt | Foto: privat

Humboldt-Gymnasium

Klettern: Eine Lebenseinstellung

Nähe der Chassezac in Frankreich: Eine Gruppe Jugendlicher blickt steile Felsen empor, in der Hand: Seil, Gurt und Sicherungsgerät. Auf dem Stein krabbelt schnell eine Eidechse entlang, die sich gleich wieder versteckt. Die Schatten der Bäume lassen die Temperatur angenehm erscheinen und in der Ferne hört man den Fluss rauschen.

Von der Halle an den Felsen

Es ist der zweite Tag des einwöchentlichen Ausfluges der Jugendgruppe aus Karlsruhe. Normalerweise trifft sich die Gruppe einmal pro Woche in der Halle, um dort zu trainieren. Es ist ein Angebot innerhalb des Alpenvereins, von klettererfahrenen Studenten, das dies ermöglicht. Dort lernt man Techniken, bestimmte Knoten und Routen. Material wird meist auch zur Verfügung gestellt. Der Mitgliedsbeitrag im Alpenverein kostet im Jahr ungefähr 120 Euro, dazu kommen optional jährliche Ausfahrten zu Bergen und Felsen zum Selbstkostenpreis, um Gelerntes in freier Natur ausprobieren zu dürfen. Dieses Jahr ist das Ziel ein Campingplatz in der Nähe des Flusses Chassezac in Frankreich.

Lena, das jüngste Mädchen aus der Gruppe zieht ihren Gurt an. Das Seil wird an ihrem und an dem Gurt ihres Partners befestigt und durch das Sicherungsgerät geführt, nach dem gegenseitigen Sicherheitscheck kann sie losklettern.

Oben angekommen

Mit ihren Händen greift Lena nach einer Felskante und macht den ersten Schritt nach oben. Ihre spitz zulaufenden Kletterschuhe ermöglichen ihr auch in kleinen Felsspalten einen sicheren Tritt. Fünf Meter über dem Boden greift sie in einen Vorsprung, der sich über Nacht mit Wasser gefüllt hat. Erschrocken sucht sie nach einer anderen Stelle, doch plötzlich verliert sie ihr Gleichgewicht. Gerade als sie im Begriff ist zu fallen, zieht sich der spezielle Kletterknoten zu, das Seil strafft sich und sie hängt sicher in der Luft. Das Sicherungsgerät blockiert im richtigen Moment, es lässt bei einem plötzlich starken Zug kein Seil mehr durch. Auch der Partner hat das Seil in jeder Sekunde aufmerksam in einer Hand. Lena ist also in jeder Situation sicher, auch wenn das Klettern viel Vertrauen in den Partner und das Material benötigt.

Sobald der erste Schreck überwunden ist, zieht sie sich wieder an den Felsen und klettert weiter. Das braucht sehr viel Mut. Langsam klettert sie aus dem Schatten der Bäume hinaus, die Sonne strahlt jetzt auf ihren Rücken und wärmt sie. Noch einen Griff und sie ist oben angekommen. Gleich darauf steht sie auf der Spitze. Der Blick nach unten zeigt: Sie hat es geschafft. Ihr Partner ist ganz klein. Sie richtet den Blick nach vorne und der Ausblick, der ihr dort geboten wird, raubt ihr den Atem. Unten sieht man den so weit entfernt gedachten Fluss, weitere Felsen und Berge und große Bäume. Glücksgefühle strömen durch ihren Körper, durch diese neue Perspektive ist sie von der umgebenen Natur überwältigt.

Schnell wieder unten

Nach einer kurzen Verschnaufpause signalisiert Lena den Abstieg. Sie ruft laut „zu“ nach unten, der Partner bestätigt und zieht nun das Seil an, damit sie sich in ihren Gurt setzen kann. Darauf folgt der Befehl „ab“ und sie wird langsam heruntergelassen. Voller Euphorie steht sie kurze Zeit später wieder unten bei ihrer Gruppe.

Wer noch keine Erfahrung mit dem Sport gemacht hat und gerne diese machen will, kann sich im Internet nach Kletterhallen in der Nähe umsehen und sich informieren, ob Kurse angeboten werden. Meist gibt es Angebote für jede Altersgruppe und auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen können ihr Glück beim Klettern versuchen.

Klettern als Hobby, bedeutet nicht, sich nur ein paar Meter hoch und runter zu bewegen. Es braucht Mut, mentale Stärke, Vertrauen und Teamgeist. Es werden Freundschaften geschlossen, Lebens- und Grenzerfahrungen gesammelt.

Mira Gnant | Klasse 10a
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