Brasilienaustausch | Foto: privat

Justus-Knecht-Gymnasium

Einmal Brasilien und zurück – Das JKG macht’s möglich!

Schule, das heißt doch eigentlich stundenlang stillsitzen, konzentrieren, lernen und zu Hause Hausaufgaben machen. Nach vollem Spaß klingt das nun wirklich nicht. Doch anders habe ich es an meiner Schule erlebt, welche zahlreiche Austauschprogramme in die ganze Welt bietet. Der wohl exotischste Austausch führte mich im Februar nach Brasilien.

Unterricht wo andere Urlaub machen

Mit einer Kokosnuss in der Hand sitzen wir an der Küste eines Fischerdorfs in Santa Catarina und genießen den traumhaften Sonnenuntergang, während der Wind sanft durch unsere Haare kitzelt und wir der Brandung des Atlantiks lauschen. Noch vor sechs Tagen, als unsere Reise am Frankfurter Flughafen begann, hätte ich mir das niemals erträumt!

Schon am Abflugstag sind wir voller Euphorie und freuen uns riesig unsere neu gewonnenen Freunde Henrique, André und Sofia wieder zu sehen, auch wenn es nur zehn Tage her ist, dass sie abreisten, es kam uns wie eine Ewigkeit vor. Unsere kleine Austauschgruppe besteht aus drei deutschen Schülern und auf der anderen Seite aus drei Brasilianern, die uns nun erwarten.

Volles Programm

In Brasilien angekommen beginnt für uns ein großartiges Programm, welches von unserer Austauschschule dem Colégio Cônsul Carlos Renaux in Brusque im Bundesstaat Santa Catarina organisiert wurde: Täglich geht es für uns an verschiedene Strände und sehenswerte Orte. An unserem ersten Tag unternehmen wir eine Schiffsfahrt entlang der Küste in der Nähe von Florianopolis, der Hauptstadt Santa Catarinas. Während der Wind uns den nahenden Sonnenbrand nicht spüren lässt, läuft im Hintergrund der Sommerhit Despacito. Zusammen genießen wir jede Sekunde und fühlen uns wie im Urlaub, auch wenn unser Lehrer das nicht gerne hört. Die Zeit verfliegt förmlich und so ist es schon Nachmittag, als wir uns nach einem erfolgreichen ersten Mal Stand-Up-Paddel-Fahren, auf den Rückweg machen müssen. Die vielen Ausflüge sorgen dafür, dass wir uns alle immer besser kennenlernen und eine Verbindung aufbauen.

Viele neue Kontakte

Ich denke, der größte Gewinn an diesem Austauschprogramm sind die neuen Begegnungen und Freundschaften, die man mit Menschen aus einer komplett anderen Kultur schließt. Ich erlebe die Menschen in Brasilien als deutlich offener und kommunikativer als in Deutschland. Wir sprechen zwar auf Englisch, was ich aber als Vorteil betrachte, weil dadurch, dass keiner von uns Muttersprachler ist, beide Seiten dazulernen können. Mit Henriques Eltern kommuniziere ich dagegen mit Händen und Füßen, da ich kein Portugiesisch kann, und sie, wie die meisten Brasilianer kein Englisch sprechen. Trotzdem fasziniert mich diese Sprache so sehr, dass ich im nächsten Schuljahr die Portugiesisch-AG besuchen möchte.  Mein Austauschpartner Henrique will seinerseits anfangen Deutsch zu lernen.

Vor unserer Reise hatte ich Bedenken, ob ich mich mit allen verstehen würde und wie es wohl sein würde in einer komplett fremden Familie zu leben, doch diese Zweifel werden schnell durch die herzliche Art aus dem Weg geräumt. Anfangs bin ich von der unglaublichen Offenheit, mit der jeder willkommen geheißen wird, sogar überrumpelt, da diese Gastfreundschaft gegenüber anderen Menschen für mich als Deutscher in gewisser Weise ungewohnt ist.

Liebevolle Gastfamilien

So geben sich unsere Gastfamilien generell wahnsinnig Mühe, um für uns etwas auf die Beine zu stellen. Am freien Wochenende organisieren sie einen Trip nach Florianopolis, sodass wir alle zusammen am Samstagmorgen aufbrechen und nach einer etwa zweistündigen Fahrt ankommen.  Zuerst steht Sandboarden auf dem Programm, was wahnsinnig Spaß macht. Oben auf den Sanddünen stehend tobt der Wind und es kommt mir vor, als wäre ich in einem Wirbelsturm gefangen. Gleichzeitig knallt die Sonne von oben, doch durch den Wind ist diese kaum zu spüren. Auf der Abfahrt die Balance zu halten ist anfangs zwar schwierig, sodass man nach einem spektakulären Überschlag Sand schmeckt und nach dem Aufrappeln aussieht wie eine Sandmumie. Doch nach einer Weile habe ich den Dreh raus und brause munter die Dünen hinab. Den Nachmittag verbringen wir genauso actionreich bei einem Surfkurs am Strand. Die Wellen sind monströs, beinahe angsteinflößend und die Brandung übertönt alles. Nach einer erfolgreichen Trockenübung geht es aufs Wasser, doch zu unserem Bedauern stellen wir fest, dass es auf dem Wasser wohl doch schwieriger als gedacht ist. Und so darf einer nach dem anderen das Salzwasser schmecken. Dennoch haben wir großen Spaß!

Neuer Blick auf die Heimat

Da wir so viele neue Erfahrungen machen dürfen, verstreicht die Zeit leider wie im Fluge, sodass sich unser Aufenthalt, welcher jedes Jahr auch einen dreitägigen Trip zu den bekannten Iguazú-Wasserfällen beinhaltet, nach zwei Wochen dem Ende zuneigt. Mir fällt der Abschied mehr als nur schwer. Ich verspreche mir selbst eines Tages wieder zu kommen, um alle, die ich in dieser kurzen Zeit ins Herz geschlossen habe, wiederzusehen. Und auch wenn in Zeiten des Klimaschutzes viel darüber diskutiert wird, ob Projekte dieser Art aufgrund der Flüge sinnvoll sind, plädiere ich klar dafür. Da man Freundschaften fürs Leben schließen kann und die Erfahrungen dazu beitragen, die eigenen Lebensbedingungen in Deutschland mehr wertzuschätzen. Denn obwohl sich Brasilien immer weiterentwickelt, gibt es dort viele Dinge, wie zum Beispiel verunreinigtes Leitungswasser oder ein fehlendes Klärsystem, welche wir in Deutschland als selbstverständlich erachten.

Abschließend kann ich sagen, dass diese Zeit einfach großartig war und ich unglaublich dankbar und auch stolz bin, dass mir meine Schule, das JKG-Bruchsal, dies ermöglicht hat.

Domenik Hund| Klasse 9a
Justus-Knecht-Gymnasium Bruchsal