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Justus-Knecht-Gymnasium Bruchs

Anschuldigungen muss man einstecken können

Über den Schiedsrichter eines Fußballspieles wird oft schlecht geredet. Jede Entscheidung wird bis ins kleinste Detail analysiert. Aber was es heißt, innerhalb von Sekunden über das Spiel von 22 Spielern zu entscheiden, wissen nur wenige.

Seitenwechsel der anderen Art

‌Vor zwei Jahren bin ich von der Seite des Feldspielers auf die Seite des Unparteiischen gewechselt. Von Anfang an faszinierte mich der Zusammenhalt unter den Schiedsrichtern. Jeder hilft jedem, egal ob jung oder alt. Schiedsrichter wird man, indem man eine kurze Ausbildung absolviert. Nach der theoretischen Prüfung erhält jeder Jungschiedsrichter einen Paten, der einen bei den ersten Spielen beratend zur Seite steht und bei Anfeindungen eingreifen kann. Das ist wichtig, weil Spieler und Trainer schnell emotional und teilweise auch ausfällig reagieren können. Eine große Herausforderung ist es, Anschuldigungen einstecken zu können und gleichzeitig sachlich zu vermitteln. Zum Schiedsrichtern gehört also nicht nur das Kennen der Fußballregeln, es verlangt auch viel Feingefühl im Umgang miteinander. Um die Schiedsrichterlizenz zu behalten, muss man eine bestimmte Anzahl an Spielen im Jahr leiten und regelmäßig an den monatlichen Schiedsrichtersitzungen teilnehmen. Ebenfalls wird die körperliche Fitness über eine jährliche Leistungsprüfung getestet. 

Höchste Konzentration

Werde ich für ein Spiel eingeteilt, bin ich spätestens 60 Minuten vor Spielbeginn am Spielort, um das Spiel vorzubereiten: Aufwärmen, den Platz kontrollieren und die Spieler mit den Spielerpässen abgleichen. Fünf Minuten vor Spielbeginn laufe ich mit den Mannschaften ein und ab da heißt es spätestens: höchste Konzentration. Jedes Spiel ist eine neue Herausforderung, der man sich stellt und die es bestmöglich zu meistern gilt. Keine Entscheidung darf unüberlegt gefällt werden. Zwischenrufe aus dem Publikum muss ich bei den Entscheidungen ausblenden. So ein Spiel ist anstrengend, macht mir aber auch sehr viel Spaß. Wenn ich am Ende noch den Spielbericht verfasst habe, kommt noch ein positiver Nebeneffekt dazu: Jeder Schiedsrichter erhält für ein Spiel Spesen – so bessere ich mir ganz nebenbei mein Taschengeld auf. Doch die Hauptsache ist der Spaß am Pfeifen.

Jonathan Ziegler| Klasse 9a
Justus-Knecht-Gymnasium Bruchsal